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Startseite Blickwechsel Demenz. Regional Projekt Presse 10.9.2010 Vom Umgang mit Demenzkranken  · 

Vom Umgang mit Demenzkranken - Pflegekräfte und Ärzte stehen vor neuen Herausforderungen

Ethikforum der Stiftung Kreuznacher Diakonie

260 Teilnehmer hatte das Ethikforum 2010 der Stiftung Kreuznacher Diakonie, das in diesem Jahr unter der Überschrift „Autonomie trotz(t) Demenz“ stand. Die Fachtagung soll Auftakt für weitere Fortbildungen zum Umgang mit demenzkranken Menschen in den nächsten Jahren sein, sagte Diakonin und Forum-Organisatorin Doris Borngässer. Denn das Thema stellt Pflegekräfte und Ärzte vor neue Herausforderungen, verdeutlichte Professor Dr. Marion Großklaus-Seidel in ihrem Beitrag. So steigt die Zahl der Patienten, die zu einer Routinebehandlung ins Krankenhaus müssen und zugleich demenzkrank sind. Derzeit betrifft das etwa 1,1 bis 1,2 Millionen Menschen, auf deren besondere Bedürfnisse in der Versorgung die Institution Krankenhaus aus der Sicht von Großklaus-Seidel überhaupt nicht eingestellt ist.
Ist ein Klinikaufenthalt prinzipiell für nahezu jeden Menschen verstörend, so kann er für Demenzkranke unter Umständen existenzgefährdend sein, wenn dem Pflegepersonal nichts von der Nebendiagnose Demenz bekannt ist. Praktisches Beispiel: das Essen wird abgedeckt serviert und ein Patient erkennt nicht, dass sich unter der Warmhaltehaube sein Mittagessen verbirgt. In Einzelfällen könne die Situation eskalieren, Hilflosigkeit in Aggressivität umschlagen und manche Patienten in schlechterem Zustand bis hin zum Pflegefall aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Aus den traditionellen und modernen theoretischen Konzepten der Autonomie lassen sich nach Auffassung von Großklaus-Seidel viele Hilfsangebote für den Umgang mit demenzkranken Menschen im Krankenhaus konstruieren. Die Pflege-Ethikerin verwies unter anderem auf den Informationsbogen für Demenzpatienten der deutschen Alzheimer Gesellschaft oder auf das biografie-orientierte Arbeiten in der Pflege, das Gewohnheiten, Vorlieben und Abneigungen und dauerhafte Werte einer Person berücksichtigt.
Kreativität ist gefragt

Der Medizinethiker Dr. Arnd T. May umriss in seinem Beitrag, wie die Mitarbeiter in Altenheimen für Wertkonflikte im Umgang mit Demenzpatienten sensibilisiert werden können. Zu den Problemen, die May ansprach, gehört etwa die Vorgehensweise bei Patientenverfügungen von Personen, die sich nicht mehr selbst äußern können. Kreativität ist vom Pflegepersonal gefragt, wenn es um eine gute Versorgung von demenzkranken Menschen im Altenheim geht, so der Allgemeinmediziner und Gerontopsychiater Dr. Michael Grebner. Essensverweigerung könne etwa ein Signal sein, dass ein Mensch sterben möchte, aber auch, dass ihm das vorgesetzte Gericht einfach nicht schmeckt. Innerhalb der institutionalisierten Altenpflege sei es allerdings häufig schwierig, den individuellen Bedürfnissen der Demenzkranken zu folgen. Gute Ansätze sind aus der Sicht von Grebner neue, unkonventionelle Wege, wie etwa das Angebot von Fingerfood oder besondere Ausstattungsgegenstände und Möbel, mit denen man für Heimbewohner eine Atmosphäre der Vertrautheit schafft.
Projekte aus der Praxis der stationären Altenhilfe und zur Versorgung von Menschen mit Demenz im Krankenhaus präsentierten am Nachmittag die Sozialwissenschaftlerin Angelika Krafft und die Pflegewissenschaftlerin Cornelia Plenter. Krafft ist Koordinatorin von Projekten der Altenhilfe bei der Arbeiterwohlfahrt Bielefeld und hat dort unter anderem ein Projekt der Sterbebegleitung „Abschied Leben“ in Zusammenarbeit mit Dr. May durchgeführt. Etwa 70 Prozent beträgt der Anteil der Demenzkranken in der Einrichtung, ein dem Durchschnitt entsprechender Wert, so Krafft. Inhaltlich hat man sich damit beschäftigt, was von den vorliegenden Patientenverfügungen noch in der Praxis umgesetzt wurde, wie dabei die Angehörigen mit einbezogen oder welche Interpretationen vorgenommen wurden.
Beteiligung an Behandlung

Cornelia Plenter vom Gemeinschaftskrankenhaus Witten Herdecke stellte das Projekt „Blickwechsel Demenz“ vor, das eine bessere gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Demenz anstrebt. Das Projekt setzt auf eine kontinuierliche Beteiligung der Patienten und ihrer Angehörigen an der Behandlung, auf die Berücksichtigung der Demenz bei der Auswahl der Medikamente und auf eine Begleitung der Patienten durch Tagesbetreuung während und nach ihrem Krankenhausaufenthalt.

Quelle: http://www.allgemeine-zeitung.de

 

Interview Demenz im Krankenhaus
YouTube Beitrag vom 08.10.2013 Blickwechsel Demenz. NRW. Förderung der Umsetzung demenzsensibler Versorgungsprojekte im Krankenhaus [Mehr]


 
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