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Ethische Entscheidungen im Krankenhaus

Ärzte und Pflegemitarbeiter müssen ethisch schwierige Entscheidungen fällen

In der Versorgung demenzkranker Patienten müssen in Krankenhäusern häufig schwierige ethische Entscheidungen getroffen werden. In der Regel geht es darum, ob bestimmte Behandlungen oder Untersuchungen für einen konkreten Patienten notwendig und angemessen sind oder nicht. Häufig ergibt sich die Frage aus Unstimmigkeiten zwischen Wertvorstellungen der Behandelnden, Willensäußerungen des Patienten und dem Krankheitsverlauf:

  • Wie wird über eine Behandlung entschieden, wenn der Patient seinen aktuellen Willen nicht mehr äußern kann und Zweifel an seiner Einwilligung in die Behandlung bestehen?
  • Wie werden Nutzen, Risiken und Nebenwirkungen einer Behandlung abgewogen?
  • Wie wird entschieden, wenn der Wille des Patienten nicht mit den eigenen Wertvorstellungen übereinstimmt?

Derartige Situationen entstehen bei demenzkranken Patienten immer wieder, da viele von ihnen de facto nicht mehr einwilligungsfähig sind und folglich auch nicht selbstständig über ihre Behandlungen entscheiden können.

Ein häufiges Beispiel in Krankenhäusern ist die Frage, ob demenzkranke Patienten, die wenig oder gar nicht essen, ergänzend oder vollständig mit Sondenkost ernährt werden sollen. Hier müssen der mutmaßliche oder schriftlich notierte Willen des Patienten, der Nutzen und Schaden für ihn sowie die medizinische Notwendigkeit sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Eine Entscheidung muss gemeinsam mit dem Betroffenen (wenn möglich), den Angehörigen, dem Pflegepersonal, dem behandelnden Hausarzt und dem Krankenhaus abgestimmt und gefunden werden.

Aber auch andere Indikationen führen zu ethisch schwierigen Entscheidungen: Sollen bei einem schwer demenzkranken multimorbiden Patienten alle Einzelerkrankungen vollständig und leitliniengerecht behandelt werden? Das kann zu Vielfach-Medikamentierung mit unkontrollierbaren Neben- und Wechselwirkungen, zu belastenden Untersuchungen und Behandlungen mit zweifelhaften Auswirkungen auf die Lebensqualität des Patienten führen. Bei einem demenzkranken älteren Menschen mit weiteren Erkrankungen ist vor allem zu überlegen, welche Diagnostik und welche Behandlung notwendig sind, um den Allgemeinzustand und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Umgekehrt kann es vorkommen, dass demenzkranken Patienten Untersuchungen oder Behandlungen vorenthalten werden, mit der traurigen Begründung, es lohne sich ja ohnehin nicht mehr.

Immer wieder entstehen im Versorgungsalltag Situationen, in denen sich demenzkranke Patienten nach Einschätzung der Mitarbeiter selbst gefährden und folglich freiheitsentziehende Maßnahmen eingesetzt werden müssen. Hierzu kommt es beispielsweise, wenn als notwendig erachtete medizinische Maßnahmen nicht toleriert werden, indem eine verordnete Bettruhe nicht eingehalten wird oder Injektionsnadeln und Katheter entfernt werden. Auch das Verlassen der Station durch Patienten mit Wanderungstendenzen kann dazu führen, dass freiheitsentziehende Maßnahmen erwogen werden.

Für die betroffenen Patienten sind solche Maßnahmen immer eine große Belastung und sollten daher das letzte Mittel der Wahl sein. Diejenigen, die über den Einsatz entsprechender Maßnahmen entscheiden müssen, stehen oft vor dem Dilemma, die potentielle Gefährdung des Patienten gegen die mit der Maßnahme verbundene Belastung abwägen zu müssen.

Weitere Informationen

Hilfreich sind bei ethisch schwierigen Entscheidungen ethische Fallbesprechungen. Die Malteser Trägergesellschaft hat dazu eine gute Broschüre erstellt.

Die Arbeitsgruppe „Ethikberatung im Krankenhaus“ in der Akademie für Ethik in der Medizin hat eine eigene Internetseite zum Thema "Ethikberatung im Krankenhaus" im Krankenhaus aufgebaut, auf der u.a. ethische Leitlinien zu verschiedenen Fragestellungen und kommetierte Falldarstellungen veröffentlicht werden.

 

Interview Demenz im Krankenhaus
YouTube Beitrag vom 08.10.2013 Blickwechsel Demenz. NRW. Förderung der Umsetzung demenzsensibler Versorgungsprojekte im Krankenhaus [Mehr]


 
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