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Mehr als eine Nebendiagnose: Demente Menschen im Klinikalltag

Wie lässt sich die Versorgung von Demenzpatienten im Krankenhaus verbessern? Diese Frage diskutierten über 300 Teilnehmer aus 100 Kliniken auf einer Fachtagung im Haus der Ärzteschaft.

von Ulrich Langenberg

„Stellen Sie sich vor, Sie wachen in einem fremden Zimmer auf. Eine weißgekleidete Person kommt herein und fordert Sie auf, mitzukommen. Sie verstehen nicht, was das soll und wohin es geht.“ Mit dieser Begrüßung machte Bernd Zimmer, Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein, gleich zu Beginn das Anliegen der Fachtagung „Menschen mit Demenz im Krankenhaus“ deutlich, die im November im Haus der Ärzteschaft stattfand: die Perspektive der Betroffenen in den Mittelpunkt einer besseren Krankenhausversorgung von demenzkranken Menschen zu stellen.

Von guten Beispielen lernen

Der Anteil der älteren Patientinnen und Patienten in den Krankenhäusern wächst – und damit auch die Zahl derjenigen, die neben ihrer akuten Erkrankung an einer kognitiven Störung oder einer Demenz leiden. Für eine „normale“ internistische oder chirurgische Krankenhausabteilung wird ihr Anteil auf mindestens zwölf Prozent geschätzt – Tendenz steigend. Oft sind die Abläufe und Routinen in den Kliniken nicht auf die besonderen Anforderungen dieser Patientengruppe ausgerichtet. So entstehen Risiken für die Patientinnen und Patienten – und zusätzliche Belastungen für die Mitarbeitenden. Was dies im Alltag eines modernen Krankenhauses mit steigenden Fallzahlen und sinkenden Verweildauern bedeutet, wissen all diejenigen nur zu gut, die als Ärzte, Pflegekräfte oder Therapeuten an der Versorgung beteiligt sind.

So fand die vom Paritätischen Wohlfahrtsverband mit Unterstützung des NRW-Gesundheitsministeriums ausgerichtete Tagung in Düsseldorf breite Resonanz: Über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 100 Krankenhäusern des Landes waren gekommen, um gemeinsam über neue Wege in der Krankenhausversorgung demenzkranker Menschen nachzudenken. Der Handlungsbedarf ist groß: Derzeit beschäftige sich nur jedes zehnte der rund 400 Krankenhäuser in NRW aktiv mit dem Thema Demenz, so NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens. Ein Grund hierfür sind die Rahmenbedingungen: So verwies die Ministerin auf die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser, die vielerorts zu Personaleinsparungen, vor allem im pflegerischen Bereich, geführt habe. Auch die sektorale Trennung der Angebote – hier die ambulante, dort die stationäre Versorgung – erschwere eine gute Versorgung demenzkranker Menschen.

Dennoch, so Steffens, seien die Krankenhäuser gefordert, eigene Konzepte zur Verbesserung der Versorgung Demenzkranker zu entwickeln und umzusetzen. Denn eine bessere Versorgung müsse nicht teurer sein: Nicht für das System als Ganzes, das enorme Folgekosten, etwa in der stationären Pflege, vermeiden könne, und auch nicht für das einzelne Krankenhaus, das Komplikationen wie ein perioperatives Delir mit erheblicher Verlängerung des Aufenthaltes vermeide. „Krankenhäuser können schon jetzt handeln“, sagte auch Dr. Susanne Angerhausen, die im Paritätischen Wohlfahrtsverband seit 2005 Modellprojekte in Krankenhäusern begleitet. Und: „Immer mehr Krankenhäuser in NRW stellen sich dieser Aufgabe, aber sie brauchen dabei auch Unterstützung.“

Gemeinsame Herausforderung

Im Lauf des Tages wurden in Plenumsvorträgen und vier Workshops zahlreiche praktische und nachahmenswerte Beispiele vorgestellt: Angefangen von einfachen Maßnahmen wie besseren Orientierungshilfen für die Patienten und einer Information aller an der Versorgung Beteiligten über die Demenzerkrankung des Patienten bis hin zu größeren Veränderungen wie der Bildung von Schwerpunktstationen. Dabei wurde schnell klar: Patentrezepte für alle Krankenhäuser gibt es nicht. Jedes Krankenhaus kann zwar von positiven Beispielen lernen, muss sich aber letztlich auf seinen eigenen Weg machen. Wichtige Erfolgsfaktoren sind neben dem Einsatz und der Kreativität der Mitarbeiter die Unterstützung durch die Geschäftsleitung und eine erfolgreiche Einbeziehung der Angehörigen als Partner. Für Dr. Anja Mitrenga-Theusinger, Vorsitzende der Krankenhauskommission der Ärztekammer Nordrhein und Mitglied im Kammervorstand, liegt der entscheidende Schlüssel für eine bessere Versorgung Demenzkranker in der Zusammenarbeit aller Beteiligten: „Ärztinnen und Ärzte sind mit ihrer Gesamtverantwortung für Diagnose und Therapie heute Teil eines multiprofessionellen Versorgungsteams. Darauf müssen wir uns in der ärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung noch stärker einstellen.“

Ulrich Langenberg ist stellvertretender Leiter des Ressorts für Allgemeine Fragen der Gesundheits-, Sozial- und Berufspolitik der Ärztekammer Nordrhein.


Quelle: Rheinisches Ärzteblatt 1'2012, S. 21

 

Interview Demenz im Krankenhaus
YouTube Beitrag vom 08.10.2013 Blickwechsel Demenz. NRW. Förderung der Umsetzung demenzsensibler Versorgungsprojekte im Krankenhaus [Mehr]


 
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