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"Die ambulante medizinische Versorgung von Patienten mit einer Demenz - Ärztliches Handeln zwischen Anspruch und Versorgungsrealität", Prof. Dr. Stefan Wilm, Hausarzt, Universität Witten/Herdecke

Wenn ich als Hausarzt Patienten mit dem Verdacht auf eine Demenz behandle, stellen sich mir viele Fragen:

  • Wie kann ich als Arzt zu einer gesicherten Diagnose kommen und welche medizinischen Behandlungsmöglichkeiten kann ich dem Patienten ggf. anbieten?
  • Wie kann ich einen Verdacht auf eine demenzielle Erkrankung einfühlsam und ohne unnötige Ängste zu schüren, aber auch ohne die Situation und die Prognose zu verharmlosen, ansprechen?
  • Wie kann ich die vielen Fragen angemessen beantworten, die sich den Betroffenen und ihren Angehörigen in dieser Situation stellen?

Viele Professionelle – Ärzte aber auch andere Fachleute - gehen davon aus, dass eine frühzeitige Diagnosestellung dem Patienten nützen würde. So wird mit einer Diagnose die Ungewissheit und die Unsicherheit über Veränderungen beendet, die der Patient an sich beobachtet. Therapeutische Maßnahmen könnten rasch eingeleitet werden, insbesondere bei reversiblen Formen und der Patient könnte (noch) mit darüber entscheiden, wie er künftig leben will, wie seine Versorgung sichergestellt werden soll und/oder wer – wenn die Entscheidungsfähigkeit nicht mehr gegeben ist – mit einer entsprechenden Vollmacht ausgestattet oder die Betreuung übernehmen wird.

Dennoch muss ich im Einzelfall genau abwägen, da es auch Gründe gibt einem Verdacht auf Demenz nicht nachzugehen:

  • Der Patient und seine Angehörigen lehnen therapeutische Hilfe ab
  • Der Patienten und/oder seine Familie fürchten eine Stigmatisierung
  • Die Multimorbidität des Patienten schränkt die Interventionsmöglichkeiten ein
  • Der Patient will sich ganz offensichtlich nicht mit der möglichen Diagnose befassen

Als Hausarzt stehe ich in der Versorgung von Patienten mit einem Verdacht auf eine Demenz daher immer vor vielfältigen Herausforderungen:

  • Ich betreue nicht nur einen Patienten, sondern muss auch die familiäre Situation berücksichtigen.
  • Ich arbeiten in einem komplexen Netz von Versorgenden, in verschiedenen Settings mit nicht immer gelingender Kooperation und z. T. schlecht definierten Nahtstellen.
  • Im Angesicht des Fortschreitens der Erkrankung und geringen präventiven (keine Evidenz!) und therapeutischen Möglichkeiten stellen sich Gefühle von Hilf- und Hoffnungslosigkeit ein.
  • Ich muss daher zwischen therapeutischem Nihilismus und professionellem Aktionismus in Diagnostik und Therapie sorgfältig abwägen.

 

Interview Demenz im Krankenhaus
YouTube Beitrag vom 08.10.2013 Blickwechsel Demenz. NRW. Förderung der Umsetzung demenzsensibler Versorgungsprojekte im Krankenhaus [Mehr]


 
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