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"Das Phänomen Demenz", Knut Humbroich, Neurologe, Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke

Demenzielle Erkrankungen machen sich bemerkbar durch eine zunehmende Einschränkung kognitiver Funktionen. Dabei sind in der Regel die Gedächtnisfunktionen beeinträchtigt, aber auch weitere kognitive Funktionen, wie zum Beispiel die Sprachfähigkeit, die räumliche Orientierung oder komplexere Handlungsplanungen.

Diese Einschränkungen verweisen zunächst auf die physische Dimension demenzieller Erkrankungen. Es handelt sich zunächst um eine Erkrankung des Organs Gehirn mit Folgeerkrankungen anderer Organe.

Demenzielle Erkrankungen haben aber auch eine seelische Dimension. Die Betroffenen nehmen die zunehmenden kognitiven Einschränkungen wahr und müssen damit umgehen. Sie haben Angst vor einem weiteren Verlust der kognitiven Fähigkeiten und der Orientierung. Nich selten entwickeln sie seelische Begleiterkrankungen wie zum Beispiel Depressionen.

Schließlich hat eine demenzielle Erkrankung auch eine geistige Dimension, die sich auf die biographische Entwicklung des Menschen und seinen Wesenskern hinter dem Spiegelbild der Erkrankung bezieht.

Bislang gibt es insbesondere für die Entstehung der Alzheimer Demenz keine eindeutigen Erklärungszusammenhänge. Es gibt auf absehbare Zeit auch keine effektive medizinische Behandlung oder erfolgversprechende Interventionen zur Prävention demenzieller Erkrankungen.

Demenzielle Erkrankungen sind daher kein ausschließlich medizinisches Problem, sondern ein soziales und gesellschaftliches. Die Zahl der Betroffenen wird größer. Es besteht die Notwendigkeit, geeignete Versorgungsstrukturen zu entwickeln und demenzielle Erkrankungen als integralen Bestandteil unseres Menschseins und moderner Gesellschaften zu begreifen.
Hier liegt die zentrale gesellschaftliche, politische und auch ärztliche Herausforderung.

 

Interview Demenz im Krankenhaus
YouTube Beitrag vom 08.10.2013 Blickwechsel Demenz. NRW. Förderung der Umsetzung demenzsensibler Versorgungsprojekte im Krankenhaus [Mehr]


 
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